Fideles Aussterben

Demografie ist Schicksal – das Schicksal von Familien, Stämmen, Ländern, Weltreichen. Und Zukunft. Der demografische Wandel der Gegenwart vollzieht sich nicht mit dem Knall einer Krise, sondern mit der Beharrlichkeit einer mathematischen Kurve. Jahr für Jahr, Generation für Generation verändert sich die Bevölkerungsstruktur Europas – berechenbar, dokumentiert und doch politisch lange verdrängt. Im Gespräch mit Gudrun Kugler, Sonderbeauftragte der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) für Demografie und Sicherheit, wird deutlich (ÆON-Z berichtete bereits), weshalb diese Entwicklung weit mehr ist als ein statistisches Randthema. Sie betrifft nicht nur Pensionen oder Pflege, sondern die langfristige Stabilität von Staat, Gesellschaft und politischer Ordnung.

Kugler: »Der demografische Wandel stellt das Leben, wie wir es kennen, auf den Kopf. Und da geht’s natürlich immer sehr schnell um Sicherheit. Was ist die geopolitische Rolle Europas, wenn wir immer weniger werden und immer weniger Anteil auch am Weltmarkt haben?«

Europa liegt seit Jahrzehnten deutlich unter dem Bestandserhaltungsniveau von 2,11 Kindern pro Frau. In Österreich beträgt die zusammengefasste Geburtenziffer rund 1,3 bis 1,4, in Deutschland zuletzt bei 1,35 Kindern je Frau für das Jahr 2024 – Tendenz fallend. Im europäischen Durchschnitt (EU-27) lag sie 2023 bei etwa 1,5 Kinder pro Frau. Rechnet man in Österreich die Geburten von Migrantinnen heraus, nähert sich die Rate der autochthonen Bevölkerung faktisch der Ein-Kind-Realität. Die Konsequenzen sind gravierend: Eine Gesellschaft mit dauerhaft etwa einem Kind pro Frau verliert pro Generation mehr als ein Drittel ihrer Bevölkerung, über mehrere Generationen hinweg sogar nahezu die Hälfte. Dieser Effekt ist exponentiell und lässt sich nicht durch kurzfristige politische Maßnahmen korrigieren.

Kinderlosigkeit statt kleiner Familien

Entgegen weit verbreiteter Annahmen liegt die Ursache des Geburtenrückgangs nicht primär darin, dass Familien immer weniger Kinder bekommen. Die durchschnittliche Kinderzahl von Familien mit Kindern ist in Österreich und Deutschland seit Jahrzehnten erstaunlich stabil und bewegt sich weiterhin zwischen zwei und drei. Der entscheidende Faktor ist vielmehr die drastisch gestiegene Kinderlosigkeit. Während in den 1970er Jahren nur rund fünf Prozent eines Jahrgangs dauerhaft kinderlos blieben, liegt dieser Anteil heute bei etwa 35 bis 40 Prozent – in Österreich, Deutschland und großen Teilen Westeuropas.

Gudrun Kugler unterstreicht diese Tatsache anhand einer heiklen Korrelation: »Wir können gesichert sagen, dass Menschen, die sich [politisch] rechts der Mitte einordnen, einen höheren Kinderwunsch haben und auch mehr Kinder bekommen. Menschen, die sich links der Mitte einordnen, haben deutlich weniger Kinder. Und es gibt Demografen – es wird hier auch auf der Uni Wien gerade [daran] gearbeitet –, die sagen, wenn es nur Menschen rechts der Mitte gäbe, hätten wir kein Problem mit dem demografischen Wandel. Es ist ein Phänomen, das von links der Mitte kommt.« So dürfte es kein Zufall sein, dass die misanthropisch-antinatalistischen Töne aus dieser weltanschaulichen Ecke seit Jahren immer lauter werden. »Allein durch mehr Geburten wird sich der akute Fachkräftemangel nämlich nicht beheben lassen. So viele deutsche Fachkräfte können Frauen gar nicht rauspressen«, witzelte die ARD-Moderatorin Anja Reschke am 25.07.2025 in ihrer Sendung Reschke Fernsehen. Dass Kinder »keine gute Idee« sind, wird per ÖRR¹ in den unterschiedlichsten Formaten und in Dauerschleife propagiert. So zitierte Reschke das gewünschte Ergebnis: »Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend scheinen vor allem Akademikerinnen sich immer häufiger gegen das Kinderkriegen zu entscheiden. (…) Leider verlieren Frauen einen Großteil ihrer selbst gewonnen Selbstbestimmung wieder, wenn sie sich für ein Kind entscheiden. Sie fallen nicht nur eine Zeit bei der Arbeit aus, auch das erhöhte Maß an Care-Arbeit bleibt am Ende meistens an uns Frauen hängen. (…) Laut einer Studie der Hochschule Gera gaben die befragten Frauen, die keine Kinder wollten, zu 82 Prozent an, dass sie sich wünschen, ihre freie Zeit selbst gestalten zu können. 80 Prozent von ihnen gaben außerdem an, dass sie sich gerne selbst verwirklichen wollen«.

Doch über die ÖRR-Propaganda hinaus ist die Differenz zwischen Wunsch und Wirklichkeit besonders aufschlussreich. Umfragen zeigen seit Jahren, dass sich junge Erwachsene im Schnitt rund ein halbes Kind mehr wünschen, als sie später tatsächlich bekommen. Ein Drittel der Kinderlosen entscheidet sich (wie eben gezeigt) bewusst gegen Kinder – aus Gründen des Lebensstils, der Karriere oder aus Zukunfts- und Klimasorgen. Weit größer ist jedoch die Gruppe jener, die Kinder wollten, den Babywunsch aber immer wieder aufschoben. Die Statistik ist hier unerbittlich: Wer mit 30 Jahren sagt, Kinder grundsätzlich ja, aber jetzt noch nicht, hat nur noch eine etwa 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, überhaupt jemals Eltern zu werden. Aus dem »noch nicht« wird allzu oft ein »nie«.

Die schrumpfende Jugend

Die demografische Krise zeigt sich besonders deutlich in den jungen Jahrgängen. In Österreich sank die Zahl der 17-jährigen männlichen Staatsbürger von rund 65.000 im Jahr 1982 auf etwa 39.000 im Jahr 2017 – ein Rückgang um rund 40 Prozent. Diese Zahl ist nicht nur eine abstrakte Größe, sondern hat konkrete Folgen: leere Schulklassen, Nachwuchsmangel in Lehrberufen, Rekrutierungsprobleme beim Bundesheer und eine wachsende Lücke in technischen und sozialen Berufen.

Deutschland steht an einem ähnlichen Punkt, allerdings zeitlich leicht versetzt. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts beginnt die Bevölkerung bereits jetzt zu schrumpfen – trotz der hohen Zuwanderung seit 2015. Entscheidend ist dabei, dass die Zahl der deutschen Staatsbürger sinkt, während Migration den Rückgang nur vorübergehend kaschiert. Die Altersstruktur kippt, und mit ihr das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen.

© Infografiken: Screenshots Statistisches Bundesamt (Destatis), 2025.

Migration als begrenzte Lösung

Lange galt Migration als demografischer Rettungsanker. Tatsächlich hätte etwa das Pflege- und Gesundheitssystem in Österreich (und Deutschland) ohne Zuwanderung längst massive Versorgungslücken. Doch Kugler warnt vor der Illusion, Migration könne den demografischen Wandel dauerhaft ausgleichen. Auch die Herkunftsländer, insbesondere in Osteuropa, befinden sich mittlerweile im Schrumpfungsprozess. Der Braindrain verschärft dort die demografische Krise und entzieht Europa zugleich das Reservoir qualifizierter Arbeitskräfte, auf das man sich lange verlassen hat. Migration kann den Übergang abfedern, nicht aber die grundlegende Alterung und Schrumpfung der Gesellschaft verhindern.

Stadt, Land und leere Räume

Parallel zur Alterung vollzieht sich eine räumliche Entkopplung. Wie in vielen europäischen Ländern, so wächst auch in Österreich die Bevölkerung fast ausschließlich in den Städten, während bereits rund ein Drittel der Gemeinden zu den Schrumpfgemeinden zählt. Noch halten die Babyboomer mit ihren Häusern und ihrer Infrastruktur viele ländliche Räume stabil. Doch ab den 2030er- und 2040er-Jahren wird diese Generation zunehmend wegfallen. Dann drohen Leerstand, Infrastrukturrückbau und im Extremfall die Aufgabe ganzer Dörfer. Vergleichbare Entwicklungen lassen sich in Deutschland beobachten, insbesondere in strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands oder im Saarland, während die Metropolen weiterwachsen – und ethnisch immer weiter fragmentieren.

Religiöser und kultureller Wandel

Besonders sensibel ist der demografische Wandel in seiner kulturellen Dimension. In den öffentlichen Wiener Pflichtschulen (Volks- und Mittelschulen) sind bereits heute 41,2 Prozent der Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens, während der Anteil christlicher Kinder bei insgesamt 34,5 Prozent liegt (konfessionslos sind 23 %). Ähnliche Entwicklungen zeigen sich in deutschen Großstädten wie Berlin, Hamburg, Frankfurt, Offenbach am Main, Ludwigshafen, Essen oder Duisburg, wo muslimische Kinder in vielen Schulen die größte Gruppe stellen.

Diese Zahlen verweisen auf eine langfristige Verschiebung: Westeuropäische Städte entwickeln sich zu religiös und kulturell anders geprägten Räumen, während das ländliche Umfeld vergleichsweise traditionell autochthon bleibt – allerdings bei schrumpfender Bevölkerung. Damit verlagert sich das gesellschaftliche Gewicht immer stärker in die Städte, während das Land demografisch und politisch an Bedeutung verliert. Mithin verändert sich auch die Zusammensetzung von Verwaltungen, öffentlichen Diensten und staatlichen Institutionen. Es ist keine dystopische Vision, sondern eine demografisch ableitbare Konsequenz.

Kugler verweist darauf, dass dies nicht folgenlos für das Selbstverständnis Europas bleibt. Wenn Städte nicht nur wirtschaftliche, sondern auch kulturelle und religiöse Zentren einer neuen (muslimischen) Mehrheit werden, dann verändert sich langfristig auch der Charakter öffentlicher Institutionen. Verwaltungen, Ministerien und staatliche Serviceleistungen rekrutieren sich aus den urbanen Mehrheiten – und damit aus einer Bevölkerung, deren religiöse und kulturelle Prägung eine andere ist als jene, auf der das historische Selbstverständnis Europas beruht.

Das wären dann die Zustände, die in einem am 22.12.2025 veröffentlichten Interview des britischen Mediums ›UnHerd‹, auch der US-amerikanische Vizepräsident J.D. Vance mit Blick auf Europa antizipierte: »(…) Aber es ist durchaus denkbar, dass eine Person mit islamistisch geprägten Ansichten in einer europäischen Atommacht [d.h. Frankreich oder das Vereinigte Königreich] erheblichen Einfluss ausüben könnte. In den nächsten fünf Jahren? Nein. Aber in 15 Jahren? Absolut.« Damit warnte er vor »islamistisch gesinnten oder dem Islamismus nahestehenden Personen«, die Einfluss auf die [jeweilige] nationale Politik gewinnen könnten – etwa durch Infiltration der Parteien und durch Wahlen. Sie stellten damit »eine sehr direkte Bedrohung für die Vereinigten Staaten von Amerika« dar.

Die Realität eines solchen Gesellschaftsumsturzes ist nicht aus der Luft gegriffen. Der an der Humboldt-Universität zu Berlin lehrende niederländische Sozialwissenschaftler und Migrationsforscher Ruud Koopmans prophezeit in einem Interview² bei ›Cicero‹, dass – ausgehend von der rund eine Million syrische Flüchtlinge in Deutschland – unter den gegenwärtigen Bedingungen in 50 Jahren gut sieben Millionen syrisch-stämmige Bürger in Deutschland leben könnten. Er verweist dabei auf Erfahrungen und Daten über die demografische Entwicklung (d.h. Bevölkerungswachstum durch Familienzusammenführung und Fortpflanzung) der türkischen und marokkanischen Gastarbeiterschaft: »Von 1973, dem Jahr des Anwerbestopps, bis heute hat sich diese Gruppe zahlenmäßig versechs- bis versiebenfacht. Wenn wir das Gleiche für die Syrer annehmen (…), dann haben wir in 50 Jahren [mindestens] sieben Millionen Syrer oder syrisch-stämmige Bürger in Deutschland«. Da seien Menschen aus Herkunftsländern wie Afghanistan oder dem Irak noch nicht eingerechnet, ergänzte er. Verantwortlich sei die verantwortungslose und an langfristigen Folgen sträflich desinteressierte Migrations- und Einbürgerungspolitik der regierenden Parteien. »Man muss darüber nachdenken, ob man Flüchtlingen so schnell Zugang zur deutschen Staatsangehörigkeit bieten sollte. Wenn sie deutsche Staatsangehörige sind, gibt es keine Begrenzung für Familienmigration. Dann ist jede Möglichkeit, diese Migrationsströme noch zu steuern, vergangen. (…) Diese schnelle Einbürgerung kann man auf Dauer als demografische Zeitbombe betrachten«. Darüber hinaus stellt Koopmans die Frage, ob es »Sinn des internationalen Flüchtlingsrechts [sei], derart in die Bevölkerungsentwicklung eines Landes einzugreifen?«

Die Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter »hält das [Szenario] nicht für unrealistisch«, wie sie in einem Interview mit WELT TV verdeutlichte. Diese Art von beschleunigter Einwanderung treffe in Deutschland auf eine nicht vorhandene Islampolitik, sagte sie. Dass sich hier ein demokratischer, ein aufgeklärter Islam etabliere, sei die Hoffnung gewesen, die sich aber nicht erfüllt habe. Wenn man Umfragen betrachte, sei sogar eher das Gegenteil der Fall. Selbst viele Muslime, die hier geboren und aufgewachsen sind, halten an einem fundamentalistischen Islam fest, der nicht zu unserer Gesellschaft passt. Darüber hinaus bemängelte sie die Migrationspolitik, die nicht aus einem Guss sei. Man denke immer nur in kurzen Zeiträumen und mache sich keine Gedanken, wie die Gesellschaft langfristig in den Jahren 2050 oder 2060 aussehen soll. Darüber hinaus erfolge die Einbürgerung oft unlauter und zum Teil mit Betrug z.B. durch das Ausstellen gefälschter Zertifikate, erschlichener Sprachatteste, durch Mehrfachidentitäten usw.

Der demografische Wandel durch autochthonen Geburtenrückgang einerseits und allochthoner – irregulärer bis illegaler Einwanderung andererseits – wird so nicht nur zu einer lebensentscheidenden Identitätsfrage, sondern erhält darüber hinaus geopolitische Dimensionen. Nicht die geringere Bevölkerungszahl an sich ist das eigentliche Problem, sondern der Übergang: die gleichzeitige Alterung, Schrumpfung und kulturelle Transformation bei enormen finanziellen Belastungen. Diese Entwicklung ist mathematisch exakt berechenbar, politisch jedoch bislang nur unzureichend beantwortet. Wer sie weiter ignoriert, entscheidet nicht über die nächste Legislaturperiode, sondern über das gesellschaftliche Gesicht Europas in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts.

Die mathematische Krise des Sozialstaats

Am schärfsten wirkt der demografische Wandel im Pensionssystem. In Österreich kamen 1910 auf zehn Erwerbstätige ein Pensionär, heute sind es nur noch etwa drei, mit weiter fallender Tendenz. Die finanziellen Folgen sind dramatisch. Die Pensionsausgaben stiegen in den vergangenen zehn Jahren von rund 50 auf etwa 75 Milliarden Euro jährlich. Bereits ein Viertel des gesamten Staatshaushalts fließt in Pensionszuschüsse und Beamtenpensionen. Die laufenden Beitragszahlungen reichen rechnerisch nur bis Mitte August, danach müssen Pensionen vollständig aus Steuermitteln finanziert werden.

Deutschland zeigt eine vergleichbare Entwicklung, mit jährlichen Zuschüssen zur Rentenversicherung von über 120 Milliarden Euro (Gesamtmittel) im Jahr 2025. Der demografische Druck verdrängt andere Zukunftsausgaben – für Bildung, Forschung, Innovationen, Familien oder Infrastruktur – zunehmend aus den Budgets.

Europas demografischer Horizont

Die Quintessenz dieser Entwicklung ist ernüchternd und reicht weit über Fragen von Renten und Arbeitsmarkt hinaus. Österreich wird ab etwa 2040 in eine Phase tatsächlicher Bevölkerungsabnahme eintreten, Deutschland hat diese Schwelle faktisch bereits erreicht. Europa insgesamt altert, schrumpft und verliert relativ an wirtschaftlicher wie geopolitischer Bedeutung. Doch die demografische Verschiebung ist nicht nur eine Frage der Zahl, sondern auch der Zusammensetzung. In den Städten Westeuropas, so Gudrun Kugler, zeichnet sich bereits heute ein religiöser und kultureller Kipppunkt ab: In Metropolen wie Wien besteht unter den Kindern bereits eine muslimische Mehrheit gegenüber Christen. Diese Entwicklung sei kein Sonderfall, sondern ein Vorgeschmack auf die Zukunft vieler westeuropäischer Städte. Während urbane Räume zunehmend muslimisch geprägt sein werden, bleiben ländliche Regionen eher traditionell-christlich – allerdings bei stetig sinkender Bevölkerungszahl, wachsendem Leerstand und ausdünnender Infrastruktur.

Der demografische Wandel im Westen ist in erster Linie Ausdruck tiefgreifender kultureller und normativer Veränderungen, die individuelle Selbstverwirklichung, beruflichen Erfolg und persönliche Freiheit in den Mittelpunkt stellt. Staatliche Maßnahmen – Elternzeitregelungen, finanzielle Transferleistungen oder der Ausbau von Kinderbetreuung – können unter diesen Vorzeichen zwar strukturelle Hürden abbauen, aber sie bewirken nur begrenzt, dass Menschen sich tatsächlich für Kinder entscheiden. Selbst Länder wie Frankreich, Schweden oder Ungarn, die hier Vorreiter sind, erreichen nicht mehr das Bestandserhaltungsniveau. Die Erfahrungen deuten darauf hin, dass erfolgreiche Familienpolitik weniger von monetären Anreizen abhängt als von sozialer Infrastruktur und gesellschaftlicher Haltung. Denn finanzielle Anreize verlieren ihre Wirkung, wenn die kulturelle Erzählung vom erfüllten Leben ohne Kinder übermächtig wird. Entscheidend ist eine politische Rahmensetzung, die Vereinbarkeit und Planungssicherheit gewährleistet, zugleich aber die gesellschaftliche Wertschätzung von Familie stärkt. Wo Kinder primär als individuelles Lebensrisiko wahrgenommen werden, bleiben Geburtenraten niedrig – unabhängig von materiellen Anreizen. Langfristig erfordert die demografische Stabilisierung daher einen kulturellen Perspektivwechsel: Familie muss wieder als gemeinschaftlich getragene Zukunftsaufgabe verstanden werden. Denn eine Gesellschaft, die dauerhaft auf nachwachsende Generationen verzichtet, riskiert nicht nur ihre soziale Stabilität, sondern verliert jenen unerschöpflichen Quell an Neugier, Risikobereitschaft und visionärem Denken, an Innovationsfreude und Erfindergeist, den oft nur junge Menschen mitbringen – jene kreative Unruhe, die Gesellschaften seit jeher erneuert, transformiert und vor der Erstarrung bewahrt hat.

Politik kann diesen Wandel moderieren und flankieren, aber nicht verordnen. Vielleicht liegt die größte Herausforderung für Europa und Deutschland darin, Familie wieder als Zukunftsprojekt zu begreifen – nicht als private Bürde, sondern als kollektive Investition in das Fortbestehen einer einst wegweisenden Gesellschaft.

¹Anja Reschke auf TikTok und Instagram: »Ein Kind, das im Jahr 2021 geboren wurde, wird in seinem Leben durchschnittlich doppelt so viele Waldbrände, zwei- bis dreimal so viele Dürren, fast dreimal so viele Flussüberschwemmungen und Ernteausfälle sowie sieben Mal mehr Hitzewellen erleben als eine Person, die heute 60 ist. (…) Und jedes weitere Kind verursacht im Laufe seines Lebens potenziell weiteres CO₂.« (TikTok).
²Dann haben wir sieben Millionen Syrer in Deutschland,
CICERO Online, 23.12.2025. Demografische Zeitbombe – Migrationsforscher kritisiert schnelle Einbürgerung, WELT Online, 30.12.2025.
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