Ein Kurz-Essay von Robert K. Falck
Deutschland im Abschwung: Die Zahl der Auswanderwilligen steigt
Von Corona- bis Wirtschaftskrise, von Klima- bis Kriegsangst – Deutschland erlebt derzeit etwas, das man in einer alternden und wirtschaftlich erschlafften Gesellschaft besonders ernst nehmen sollte: Verunsicherung, Zukunftspessimismus und wachsenden psychischen Druck. Das sind keine bloßen Gefühlslagen, sondern messbares gesellschaftliches Phänomen. Die Trendstudie »Jugend in Deutschland 2026 – Zukunft unter Druck« belegt, dass 21 Prozent der jungen Menschen planen, Deutschland zu verlassen. Weitere 41 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen auszuwandern. Diese Zahlen sind erschreckend, denn sie stehen nicht allein. Eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY unter angehenden Akademikern ergab bereits Anfang 2025, dass 41 Prozent der befragten Studierenden gewillt sind, ihr Berufsleben im Ausland zu starten – gegenüber nur 27 Prozent im Jahr 2022. Innerhalb von lediglich drei Jahren also ein Anstieg von gut 50 Prozent. Die Botschaft ist eindeutig: Deutschland verliert seine Zukunft, und zwar scheibchenweise, still und leise, Kopf für Kopf.
Auch Unternehmen verlassen das Land. Zwischen 2021 und 2023 haben nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 1.300 Unternehmen ab einer Mindestgröße von 50 tätigen Personen teilweise oder vollständig Unternehmensfunktionen ins Ausland verlagert. Eine Befragung von Deloitte und dem Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) verschärft das Bild noch: 68 Prozent der Industrieunternehmen wollen in den kommenden zwei bis drei Jahren ihre Fertigung ganz oder teilweise ins Ausland verlagern. Wenn Menschen und Kapital gleichzeitig das Land verlassen, wenn die ausgeschriebenen Industrie-Arbeitsplätze schrumpfen und die verbleibenden Jobs zunehmend im staatsnahen Bereich entstehen – dann ist das kein vorübergehender Konjunkturzyklus. Dann ist das struktureller Verfall. Staatsjobs sind nicht wertschöpfend.
Der verführerische Gedanke des Aufbruchs
Dem Wunsch auszuwandern liegt – historisch betrachtet – oft das Motiv zugrunde, auswandern zu müssen. Einerseits wegen des Unbehagens angesichts herrschender Zustände: Überwachung, Meinungs- und Gedankenkontrolle, Denunziation, Regulierungswut, Gängelei und steuerliche Beutelschneiderei. Andererseits wegen tatsächlich erlittener politischer Verfolgung oder wirtschaftlicher Not. In der Tat sehen sich inzwischen viele deutsche Auswanderer als politische Flüchtlinge. Ob Ungarn, die Schweiz, die USA oder Kanada und Australien – Berufstätige, Freiberufler, Wissenschaftler, Selbstständige, aber auch überdurchschnittlich viele Rentner und Pensionäre zieht es fort. Die Schweiz hat sich dabei zu einem der bevorzugten europäischen Exilländer gemausert: nah gelegen, kulturell vertraut, an einem einzigen Tag mit dem eigenen Auto zu erreichen.
Dieser Reflex ist menschlich und verständlich. Wer möchte nicht den Weg des geringsten Widerstands gehen, wenn das eigene Land – so empfindet man es zumindest – gegen die Interessen seiner Bürger handelt? Wer möchte nicht dem bürokratischen Zugriff entkommen, der Steuer- und Abgabenlast, der gefühlten oder realen Unsicherheit im Alltag? Das Verlangen nach dem Neuanfang anderswo, nach Luft, die sich leichter atmet, ist zutiefst menschlich. Und doch bleibt dieser Reflex, so verständlich er ist, in seiner politischen Konsequenz fatal. Denn er ist letztlich Fahnenflucht.
Fahnenflucht – ein harter Begriff, aber der richtige
Wikipedia definiert Fahnenflucht als das »Fernbleiben eines Soldaten von militärischen Verpflichtungen in Kriegs- oder Friedenszeiten« – und meint damit das, was umgangssprachlich »Feigheit vor dem Feind« heißt. Man mag diese Analogie als übertrieben empfinden, wenn man sie auf das zivile Auswandern anwendet. Doch lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn was bedeutet Fahnenflucht im Kern? Es bedeutet: sich zu entziehen, wenn es darauf ankommt. Es bedeutet: die Gemeinschaft im Stich zu lassen, der man eigentlich verpflichtet ist. Es bedeutet: die eigene Sicherheit höher zu gewichten als die kollektive Aufgabe.
Überträgt man diesen Gedanken auf das zivile Leben in einem demokratischen Gemeinwesen, ist der Begriff gar nicht so weit hergeholt. Ein Staat – und erst recht eine Demokratie – ist kein Hotel, das man verlässt, wenn die Bewirtung schlechter wird, und das man neu bezieht, wenn frisch renoviert wurde. Ein demokratischer Staat ist ein Gemeinschaftsprojekt. Er funktioniert nur, wenn genug Menschen bereit sind, ihn aktiv mitzugestalten – auch und gerade dann, wenn die Zustände unbefriedigend sind. Wer geht, weil es schlecht läuft, verweigert genau dann die Mitarbeit, wenn sie am dringendsten gebraucht würde. Das ist Fahnenflucht – im zivilgesellschaftlichen Sinne.
Das Argument des Rückkehrers: schön gedacht, nicht zu Ende gedacht
Natürlich werden viele Auswanderwillige und bereits Ausgewanderte an dieser Stelle protestieren. Das beliebteste Gegenargument lautet: »Ich gehe jetzt, aber wenn die Verhältnisse besser werden oder wenn es zum Totalzusammenbruch kommt, werde ich zurückkehren und beim Neuaufbau helfen.« Dieses Argument klingt edel. Es klingt nach strategischem Rückzug statt Flucht, nach kalkuliertem Abwarten statt Aufgabe. Es ist aber, bei näherer Betrachtung, eine Ausrede – und keine besonders überzeugende dazu.
Der Beweis? Man muss nicht lange in der Geschichte suchen. Man braucht nur auf die Erfahrung der in den vergangenen Jahren nach Deutschland eingewanderten Syrer zu schauen. Millionen von ihnen kamen seit 2015 als Flüchtlinge ins Land – viele, weil in ihrer Heimat Krieg herrschte und für manche Lebensgefahr bestand. Das war ein verständlicher, ja zwingender Grund. Doch was geschah, als der wichtigste Fluchtgrund – die unmittelbare Lebensgefahr durch das Regime Baschar al-Assads – mit dem Zusammenbruch dieses Regimes Ende 2024 entfiel? Syrien war kein sicherer Hafen geworden, gewiss. Aber der Wegfall der ursprünglich akuten Verfolgungsgefahr durch das alte Regime war unübersehbar. Und dennoch wollten die wenigsten zurück. Zu verständlich, möchte man sagen – denn inzwischen hatten viele hier ein neues Leben aufgebaut, Kinder eingeschult, Wohnungen bezogen, Netzwerke geknüpft.
Genau das aber ist der Punkt: Wer einmal gegangen ist, kommt nicht mehr zurück. Nicht, weil man böswillig lügt, wenn man seine Rückkehr ankündigt. Sondern weil das Leben weitergeht. Weil neue Bindungen entstehen. Weil die Kinder die neue Sprache schneller lernen als die alte. Weil die Wohnung und der Job und der Freundeskreis dort sind, wo man sich neu verwurzelt hat. Das ist keine moralische Schwäche – das ist menschliche Natur. Aber es bedeutet, dass das Versprechen »Ich komme zurück, wenn es besser wird« in aller Regel ein leeres Versprechen ist. Und wer ein leeres Versprechen als Rechtfertigung für sein Handeln anführt, rechtfertigt damit im Grunde gar nichts.
Wer baut auf, wenn alle weg sind?
Stellen wir uns die logische Konsequenz vor: Was passiert, wenn wirklich alle gehen, die unzufrieden sind? Was passiert, wenn alle, die sich für kompetent genug halten, anderswo ihr Glück zu machen, tatsächlich gehen – und die Ankündigung, beim Wiederaufbau zu helfen, genau das bleibt, was sie ist: eine Ankündigung?
Die Antwort ist schlicht: Das Land baut sich nicht von allein auf. Niemals. Nicht ein einziges Mal in der Geschichte hat sich eine zerstörte oder tiefgreifend dysfunktionale Gesellschaft aus eigener Kraft erholt, wenn die handlungsfähigen, gebildeten, engagierten Teile der Bevölkerung dauerhaft weg waren. Die deutschen Emigranten, die 1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten flohen – auch unter ihnen gab es viele, die zurückzukehren gedachten, sobald »das Regime fällt«. Manche kamen zurück. Viele nicht. Und diejenigen, die nicht zurückkamen, hinterließen eine Lücke, die sich nicht ohne Weiteres schließen ließ. Die Bundesrepublik wurde in den Nachkriegsjahren nicht von Rückkehrern aus dem Exil aufgebaut, sondern von jenen, die geblieben waren – unter welchen Umständen auch immer.
Wer erst dann zurückkommen will, wenn das Land wieder aufgebaut ist, will nicht aufbauen. Er will einziehen, wenn alles fertig ist. Das ist ein Unterschied, der sich moralisch nicht wegdiskutieren lässt.
Veränderung kommt von innen – oder gar nicht
Es gibt einen politischen Grundsatz, der sich durch die Geschichte demokratischer Gesellschaften zieht und der sich immer wieder als wahr erwiesen hat: Eine friedliche, dauerhafte Veränderung der politischen Verhältnisse kann nur von innen kommen. Sie kann nicht von außen erzwungen werden – jedenfalls nicht ohne den Einsatz von Gewalt, und selbst dann ist das Ergebnis oft kein besseres. Während des Kalten Krieges (1947-1989) versuchten die USA – je nach Zählweise – zwischen 64 bis über 70 »Regime Changes«. Doch selbst jene, die zum Sturz des unerwünschten Regimes führten, zogen langfristige Instabilität, Bürgerkriege oder feindselige Nachfolgeregimes nach sich. Revolutionen von außen produzieren selten stabile Demokratien. Was stabile Demokratien produziert, ist die Bereitschaft der Bürger, ihre Gesellschaft aktiv zu gestalten – auch gegen Widerstände, auch gegen Frustrationen, auch dann, wenn der kurze Weg verlockend ist.
Das bedeutet nicht, dass man schweigend akzeptieren soll, was man für falsch hält. Im Gegenteil. Der entschiedene Widerspruch, die öffentliche Debatte, das zivilgesellschaftliche Engagement, die Unterstützung oppositioneller Parteien, die Gründung von Bürgerinitiativen, die Nicht-Kollaboration, das hartnäckige Bestehen auf Rechten, die einem zustehen – all das sind Mittel des demokratischen Bürgers. Sie sind anstrengend. Sie kosten Zeit und Nerven. Sie führen nicht immer zum Ziel. Aber sie sind die einzigen Mittel, die langfristig funktionieren.
Auswandern ist keines dieser Mittel. Auswandern ist der Verzicht auf all diese Mittel. Es ist die Entscheidung, das Spielfeld zu verlassen, während das Spiel noch läuft. Und das Spiel – die politische Auseinandersetzung um die Richtung einer Gesellschaft – hört nicht auf, weil man selbst es verlässt. Es geht weiter. Nur ohne einen selbst.
Das Echo der Geschichte: Emigration als Selbstbetrug
Es lohnt sich ein Rückblick in die Geschichte – nicht um zu moralisieren, sondern um zu verstehen. Die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts kennt mehrere Wellen der Emigration: nach 1933, nach 1945 (aus der sog. SBZ und später der DDR), und nach 1989 in umgekehrter Richtung. In jedem dieser Fälle galt: Die Emigration schwächte das Herkunftsland. Sie entzog ihm intellektuelle, kreative, unternehmerische Ressourcen. Sie war für die Einzelnen oft die richtige Entscheidung – besonders dann, wenn es um die physische Sicherheit ging. Aber politisch und gesellschaftlich war sie stets ein Verlust für das Land, das die Menschen zurückließ.
Besonders aufschlussreich ist das Beispiel der DDR-Bürger, die durch die immer permeabler werdende Grenze flohen oder emigrierten. Ihr Exodus – der im August 1961 die Errichtung der Mauer »erzwang«, weil Hunderttausende geflohen waren – war individuell verständlich, ja heldenhaft. Aber er löste das Problem nicht. Die DDR blieb die DDR. Sie fiel erst, als die Menschen blieben und auf die Straße gingen. Es waren nicht die Emigranten, die den Mauerfall herbeiführten – es waren diejenigen, die geblieben waren und »Wir sind das Volk« riefen. Das ist die historische Lehre, die man nicht wegdiskutieren kann.
Das Privileg des Weggehens – und seine Kehrseite
Man muss an dieser Stelle auch über ein Privileg sprechen, das in der Auswanderungsdebatte selten benannt wird. Auswandern können nicht alle. Wer geht, ist in aller Regel derjenige, der gebraucht wird – der gut Ausgebildete, der Unternehmer, der Facharbeiter, der Arzt, der Ingenieur. Die EY-Studie zur Auswanderungsbereitschaft unter Studierenden illustriert das deutlich: Es sind die künftigen Akademiker, die das Land verlassen wollen. Es ist das sogenannte Humankapital, das abwandert.
Zurück bleiben diejenigen, die keine Wahl haben: die weniger Qualifizierten, die Älteren, die Kranken, die sozial Schwachen. Sie können nicht einfach aufbrechen. Sie haben keine internationalen Netzwerke, keine gefragten Qualifikationen, keine Ersparnisse, die den Neuanfang anderswo erlauben würden. Und: Sie zahlen die Rechnung für den Abgang der anderen – in Form eines weiter geschwächten Steuerfundaments, eines weiter ausgedünnten Gesundheits- und Sozialsystems, einer weiter schrumpfenden wirtschaftlichen Basis. Die Auswanderung der Privilegierten ist, ob man es so sehen will oder nicht, auch eine Form der Solidaritätsverweigerung gegenüber denjenigen, die bleiben müssen.
Und hier kommt ein weiteres, gern übersehenes Element ins Spiel: So leicht, wie man nach Deutschland einwandern kann, kommt man als Unqualifizierter in kaum ein anderes Land. Wer das vergisst, betreibt eine Romantisierung der Auswanderung, die den realen Bedingungen nicht standhält. Und wer auswandert, wird – unabhängig vom eigenen Alter und vom Ziel der Reise – am Ende immer ein Ausländer sein und bleiben. Ein gut situierter, vielleicht. Ein akzeptierter, hoffentlich. Aber eben doch einer, der nicht wirklich dazugehört. Der auf die Gnade des Gastlandes angewiesen ist. Der die politische Mitgestaltung dort, wohin er gegangen ist, nicht oder kaum ausüben kann – weil man dafür Staatsbürger sein muss, und das wird man nicht von heute auf morgen.
Der Waldgänger – Ernst Jüngers vergessene Antwort
Ernst Jüngers Begriff des »Waldgängers« – entwickelt in seinem Essay »Der Waldgang« von 1951 – bietet eine faszinierende Alternative zum Auswandern, die heute weitgehend vergessen ist. Der Waldgänger ist kein Flüchtling und kein Emigrant. Er ist ein Mensch, der sich innerlich aus den Strukturen einer ihm feindlichen oder dysfunktionalen Gesellschaft herauslöst, ohne sie physisch zu verlassen. Er macht sich gedanklich unabhängig, er entwickelt die Fähigkeit zum Widerstand – nicht durch Gewalt, sondern durch geistige Souveränität. Er ist ein Symbol für innere Freiheit gegenüber dem, was Jünger den »verbrecherischen Staat« nannte.
Diese Form der inneren Emigration ist nicht Kapitulation. Sie ist eine Haltung des Nicht-Mitspielens bei allem, was man für falsch hält, bei gleichzeitigem Verbleib im gesellschaftlichen Raum. Der Waldgänger entzieht sich nicht dem Zugriff des Systems, indem er das Land verlässt – er entzieht sich ihm, indem er sich innerlich davon frei macht. Diese Strategie hat eine lange Tradition: die Stoiker, die unter ungerechten Herrschern lebten, ohne sich zu unterwerfen; die inneren Emigranten der NS-Zeit, die das Regime überlebten, ohne ihm zu dienen; die Dissidenten des Sowjetblocks, die nicht flohen, sondern blieben und aus dem Inneren heraus Widerstand leisteten.
Der Waldgänger ist, um es direkt zu sagen, der interessantere Mensch als der Auswanderer. Er ist derjenige, der es schwerer hat – und es trotzdem tut. Er ist derjenige, dem man am Ende die Gesellschaft verdankt, die es wieder wert ist, in ihr zu leben.
Was es bedeutet, zu widerstehen
Bleiben bedeutet nicht, sich mit dem Falschen abzufinden. Bleiben bedeutet nicht, keine Kritik zu üben oder die Zustände zu akzeptieren. Bleiben bedeutet: den Anspruch an das eigene Land aufrechterhalten. Es bedeutet: laut zu sagen, was man denkt. Es bedeutet: wählen zu gehen, auch wenn man von keiner Partei wirklich überzeugt ist. Es bedeutet: Vereine zu gründen, Bürgerinitiativen zu unterstützen, Kandidaten zu werden, Netzwerke zu knüpfen, Texte zu schreiben, Gespräche zu führen, unbequem zu sein.
Das alles ist anstrengender als das Buchen eines Fluges nach Zürich, nach Dubai, Singapur oder New York City. Es ist kein Abenteuer, kein Neuanfang, kein Befreiungsschlag. Es ist die mühsame, alltägliche Arbeit der Demokratie. Aber es ist die einzige Arbeit, die wirklich etwas verändert. Denn wer geht, kann nicht mitbestimmen. Wer nicht mitbestimmt, muss das Ergebnis der anderen akzeptieren – auch aus der Distanz, auch aus dem Ausland.
Und noch etwas: Wer bleibt und kämpft, behält seine Würde als Bürger. Wer geht, macht sich zum Gast – anderswo. Das ist keine Schande. Aber es ist eine Aufgabe. Und Aufgabe ist eben das: Aufgeben.
Die mutige Entschlossenheit zum Bleiben
Die vorliegenden Daten lassen keinen Zweifel: Deutschland verliert Menschen, Unternehmen, Investitionen – und damit auch Innovationen – in einem Tempo, das strukturelle Narben hinterlassen wird. Das ist besorgniserregend. Und es ist ein starkes Argument dafür, dass die politischen Verhältnisse geändert werden müssen – dringend, umfassend, ernsthaft.
Aber die Antwort darauf ist nicht Auswanderung. Sie ist das Gegenteil: Bleiben. Kämpfen. Mitgestalten. Die Menschen, die Deutschland braucht, sind nicht jene, die gehen, sobald es unbequem wird, und wiederkommen wollen, wenn alles wieder schön ist. Und erst recht nicht jene, die aus inkompatiblen Kulturen einwandern. Die Menschen, die Deutschland braucht, sind alle, die da sind, wenn es unangenehm ist. Die aushalten, was ausgehalten werden muss. Die den langen Weg der demokratischen Auseinandersetzung gehen, auch wenn er beschwerlich ist.
Auswandern ist Fahnenflucht. Das klingt hart. Es ist aber nicht härter als die Wahrheit, die dahintersteckt: Eine Gesellschaft, die sich selbst aufgeben will, braucht Menschen, die ihr sagen – ich gehe nicht. Ich bleibe. Und ich mache es besser. Das ist keine romantische Geste. Es ist schlicht die Voraussetzung dafür, dass es überhaupt etwas zu retten gibt.
Quellenhinweise
¹ Trendstudie »Jugend in Deutschland 2026 — Zukunft unter Druck«: https://www.simon-schnetzer.com/jugendstudien/jugend-in-deutschland-2026
² EY-Studierendenstudie 2025: https://www.ey.com/de_de/newsroom/2025/01/ey-studierendenstudie-bundeslaender-und-umzugsbereitschaft
³ Hadmut Danisch, Blogbeitrag vom 21.10.2024: https://www.danisch.de/blog/2024/10/21/die-gruenen-und-die-boomer/
⁴ Der »Waldgänger« — angelehnt an Ernst Jüngers Essay »Der Waldgang« (1951): Symbol für innere Freiheit und Widerstandsfähigkeit gegenüber dem verbrecherischen Staat.
⁵ Hasepost.de: »Industriestellen brechen ein — Experte warnt vor Deindustrialisierung Deutschlands«: https://hasepost.de/industriestellen-brechen-ein-experte-warnt-vor-deindustrialisierung-deutschlands-699372/
⁶ Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung 2025: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/11/PD25_412_52931.html
⁷ Deloitte/BDI-Befragung 2025: https://www.deloitte.com/de/de/about/press-room/zollpolitik-beschleunigt-die-abwanderung-der-industrie-.html
⁸ Wikipedia-Artikel »Fahnenflucht«: https://de.wikipedia.org/wiki/Fahnenflucht
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