{"id":2577,"date":"2026-02-18T16:07:56","date_gmt":"2026-02-18T15:07:56","guid":{"rendered":"https:\/\/aeon-z.org\/?p=2577"},"modified":"2026-02-18T16:12:06","modified_gmt":"2026-02-18T15:12:06","slug":"demografie-sag-beim-abschied-leise-servus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aeon-z.org\/?p=2577","title":{"rendered":"Demografie: Sag beim Abschied leise Servus"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;\">Verabschiedet sich die deutsche Stammbev\u00f6lkerung schneller und dramatischer von der weltgeschichtlichen B\u00fchne als bisher angenommen? Nicht mit einem Knall, sondern mit einem langen, leisen Schluchzen\u00b9? <\/span><span style=\"color: #000000;\">So jedenfalls hat es das ifo Institut (Leibniz-Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen e.V.) laut <a href=\"https:\/\/www.ifo.de\/pressemitteilung\/2026-02-17\/bevoelkerung-deutschland-wird-staerker-schrumpfen-als-bisher-vermutet\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pressemitteilung<\/a> vom 17.02.2026 errechnet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der vorgelegte Beitrag zur \u00bbk\u00fcnftigen Entwicklung der Bev\u00f6lkerung in Deutschland\u00ab analysiert die neue, 16. koordinierte Bev\u00f6lkerungsvorausberechnung (KBV) des Statistisches Bundesamts und kommt zu einem Befund, der deutlich pessimistischer ausf\u00e4llt als alle bisherigen offiziellen Annahmen. W\u00e4hrend die 15. KBV aus dem Jahr 2022 noch von einer bis 2070 weitgehend stabilen Bev\u00f6lkerungszahl ausging, rechnet die neue Vorausberechnung nun mit einem R\u00fcckgang um rund zehn Prozent gegen\u00fcber dem heutigen Stand. Deutschland w\u00fcrde damit nicht nur altern, sondern auch sp\u00fcrbar schrumpfen \u2013 und zwar schneller und st\u00e4rker als bislang erwartet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Kern dieser Abweichung liegt weniger in abrupt ver\u00e4nderten langfristigen Zielannahmen als vielmehr in der neuen Ausgangsbasis und in ver\u00e4nderten Anpassungspfaden. Bev\u00f6lkerungsvorausberechnungen sind keine Prognosen im engen Sinn, sondern Szenarien, die zeigen, wie sich die Bev\u00f6lkerung entwickeln w\u00fcrde, wenn bestimmte Annahmen zu Geburten, Sterblichkeit und Migration eintreten. W\u00e4hrend sich Geburtenverhalten und Lebenserwartung nur langsam ver\u00e4ndern und deshalb relativ gut absch\u00e4tzbar sind, gilt dies f\u00fcr Wanderungsbewegungen deutlich weniger. Genau hier setzt die Analyse an.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Auf den ersten Blick unterscheiden sich die langfristigen Annahmen der 15. und 16. KBV nur moderat. Die zusammengefasste Geburtenziffer soll langfristig in beiden F\u00e4llen unter dem Bestandserhaltungsniveau von 2,11 Kinder pro Frau bleiben; nun wird jedoch eine Stabilisierung bei etwa 1,47 Kindern je Frau erst ab 2040 unterstellt, w\u00e4hrend zuvor ab Anfang der 2030er Jahre mit 1,55 gerechnet wurde. Auch bei der Lebenserwartung sind die Unterschiede gering: Bis 2070 wird ein Zuwachs von rund sechs Jahren f\u00fcr M\u00e4nner und etwa f\u00fcnf Jahren f\u00fcr Frauen angenommen. Entscheidend sind vielmehr die kurzfristigen Ausgangswerte und die \u00dcberg\u00e4nge zu diesen langfristigen Gleichgewichtsniveaus.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die 15. KBV ging noch von einem moderaten Anstieg der Geburtenrate nach 2022 aus. Tats\u00e4chlich ist die Fertilit\u00e4t in den Jahren 2023 und 2024 jedoch stark gefallen und lag 2025 nur noch bei etwa 1,31. Dieser deutlich niedrigere Wert bildet nun den Startpunkt der 16. KBV. Dadurch werden bis in die 2030er Jahre hinein j\u00e4hrlich erheblich weniger Kinder geboren als zuvor erwartet \u2013 allein im Jahr 2030 rund 150.000 weniger, 2040 immer noch etwa 120.000 weniger. Dieser Effekt wirkt langfristig fort, weil weniger Geburten heute auch weniger potenzielle Eltern in 25 bis 30 Jahren bedeuten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Noch st\u00e4rker f\u00e4llt der Effekt bei der Migration ins Gewicht. Die fr\u00fchere Vorausberechnung unterstellte einen langsamen R\u00fcckgang von sehr hohen Wanderungssalden nach 2022 auf rund 300.000 Personen im Jahr 2030. Die neue KBV setzt hingegen an den zuletzt deutlich gesunkenen realen Werten an und geht 2025 nur noch von etwa 225.000 Nettozuwanderern aus, bevor sich der Saldo bei 250.000 stabilisiert. Kumuliert fehlen der 16. KBV dadurch allein bis 2030 rund 864.000 Zuwanderer im Vergleich zur alten Rechnung. Da Zuwanderer im Durchschnitt jung sind, verst\u00e4rkt dies den R\u00fcckgang der Geburten zus\u00e4tzlich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Hinzu kommt ein gewichtiger Basiseffekt: Die 15. KBV beruhte noch auf einer Fortschreibung des Zensus 2011 und \u00fcbersch\u00e4tzte die tats\u00e4chliche Bev\u00f6lkerungszahl deutlich. Der Zensus 2022 zeigte, dass Deutschland 2021 rund 1,3 Millionen Einwohner weniger hatte als angenommen, vor allem weil viele Ausl\u00e4nder das Land verlassen hatten, ohne sich abzumelden. Mit dieser korrigierten Ausgangsbasis setzt die 16. KBV tiefer an, was die gesamte weitere Entwicklung nach unten verschiebt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Folgen f\u00fcr die Altersstruktur sind gravierend. Die Zahl der Menschen im Rentenalter (67 Jahre und \u00e4lter) steigt bis Mitte der 2030er Jahre um fast 30 Prozent; ihr Anteil an der Gesamtbev\u00f6lkerung w\u00e4chst von knapp 20 auf rund 25 Prozent. Gleichzeitig schrumpfen die j\u00fcngeren Altersgruppen deutlich: Sowohl die Zahl der Kinder und Jugendlichen als auch die der Erwerbsf\u00e4higen nimmt zun\u00e4chst um etwa zehn Prozent ab und langfristig sogar um rund 20 Prozent. In der fr\u00fcheren Vorausberechnung war f\u00fcr diese Gruppen noch weitgehende Stabilit\u00e4t unterstellt worden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Besonders stark betroffen sind die l\u00e4ndlichen Regionen. Die Bev\u00f6lkerungsschrumpfung konzentriert sich vor allem auf die mitteldeutschen Fl\u00e4chenl\u00e4nder, deren Einwohnerzahl bis 2070 um rund 22 Prozent sinken d\u00fcrfte. Die Zahl der Kinder, Jugendlichen und Erwerbsf\u00e4higen geht dort sogar um etwa 30 Prozent zur\u00fcck. In den westdeutschen Fl\u00e4chenl\u00e4ndern f\u00e4llt der R\u00fcckgang mit rund neun Prozent insgesamt geringer aus, bleibt aber ebenfalls deutlich sp\u00fcrbar; nur die Stadtstaaten der westdeutschen Ballungszentren k\u00f6nnen noch mit leichtem Wachstum rechnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2578\" src=\"https:\/\/aeon-z.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/abb3_bevoelkerungsentwicklung_1280x720.png\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/aeon-z.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/abb3_bevoelkerungsentwicklung_1280x720.png 1280w, https:\/\/aeon-z.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/abb3_bevoelkerungsentwicklung_1280x720-300x169.png 300w, https:\/\/aeon-z.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/abb3_bevoelkerungsentwicklung_1280x720-1024x576.png 1024w, https:\/\/aeon-z.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/abb3_bevoelkerungsentwicklung_1280x720-768x432.png 768w, https:\/\/aeon-z.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/abb3_bevoelkerungsentwicklung_1280x720-1232x693.png 1232w\" sizes=\"(max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; color: #000000;\"><small>Auf der horizontalen Achse verl\u00e4uft die Zeit von 2021 bis 2070, auf der vertikalen ein Index mit dem Basiswert 100 im Jahr 2021. Die Bev\u00f6lkerungskurve der Stadtstaaten steigt leicht \u00fcber die 100-%-Linie hinaus und verl\u00e4uft bis 2070 moderat nach oben. Die Linie f\u00fcr die westdeutschen Fl\u00e4chenl\u00e4nder f\u00e4llt langsam und relativ gleichm\u00e4\u00dfig von 100 auf etwa 90 % ab. Am steilsten verl\u00e4uft die Kurve der mitteldeutschen Fl\u00e4chenl\u00e4nder (Ost): Sie sinkt kontinuierlich und deutlich st\u00e4rker und erreicht bis 2070 einen Wert von etwa 78 % der Raten von 2021. Die drei Linien f\u00e4chern sich damit im Zeitverlauf immer weiter auf. Infografik: \u00a9 ifo Institut; Quelle: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des ifo Instituts.<\/small><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Insgesamt zeichnet die Analyse das Bild eines demografischen Wandels, der sch\u00e4rfer, schneller und regional ungleicher verl\u00e4uft als bislang angenommen. F\u00fcr Sozialversicherungen, Arbeitsm\u00e4rkte, Infrastrukturen und \u00f6ffentliche Haushalte bedeutet dies einen erheblich h\u00f6heren Anpassungsdruck. Die Autoren betonen, dass politische Entscheidungen mit langfristiger Bindungswirkung diese neue demografische Realit\u00e4t dringend ber\u00fccksichtigen m\u00fcssen, um kostspielige Fehlsteuerungen zu vermeiden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\"><small>\u00b9T. S. Eliot, The Hollow Men; Schlusszeilen: \u00bbThis is the way the world ends &#8230; \/ Not with a bang but a whimper\u00ab.<br \/>\n\u00a9 \u00c6ON-Z e.V. Thinktank. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterst\u00fctzend K\u00fcnstliche Intelligenz eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung f\u00fcr den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.<\/small><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verabschiedet sich die deutsche Stammbev\u00f6lkerung schneller und dramatischer von der weltgeschichtlichen B\u00fchne als bisher angenommen? Nicht mit einem Knall, sondern mit einem langen, leisen Schluchzen\u00b9? So jedenfalls hat es das ifo Institut (Leibniz-Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen e.V.) laut Pressemitteilung vom 17.02.2026 errechnet. 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