{"id":2495,"date":"2026-01-09T18:24:43","date_gmt":"2026-01-09T17:24:43","guid":{"rendered":"https:\/\/aeon-z.org\/?p=2495"},"modified":"2026-01-29T13:24:19","modified_gmt":"2026-01-29T12:24:19","slug":"armageddon-und-das-messianische-zeitalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aeon-z.org\/?p=2495","title":{"rendered":"Armageddon und das messianische Zeitalter"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">In einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=VAke8SfsbNY\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gespr\u00e4ch<\/a> mit dem norwegischen Politologen Glenn Diesen entwirft der ehemalige britische Diplomat Alastair Crooke eine finstere und zugleich provokante Deutung f\u00fcr die gegenw\u00e4rtige Eskalationsdynamik im Nahen Osten. Um zu verstehen, weshalb die USA \u2013 an der Seite Israels \u2013 auf einen weiteren Krieg gegen den Iran zusteuerten, m\u00fcsse man, so Crooke, weniger auf klassische sicherheitspolitische Rationalit\u00e4ten blicken als auf einen Mix aus westlichem Niedergang, politischer Verzweiflung und einem zunehmenden \u00dcberhandnehmen des Irrationalismus im Westen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Crooke argumentiert, der geplante Krieg gegen den Iran sei nicht prim\u00e4r aus einer akuten Bedrohungslage heraus zu erkl\u00e4ren. Vielmehr werde ein Szenario konstruiert, in dem der Iran als letzte, entscheidende Bastion eines feindlichen Systems erscheine. Israel spiele dabei eine Schl\u00fcsselrolle. Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanjahu befinde sich innenpolitisch massiv unter Druck: Korruptionsverfahren, Vorw\u00fcrfe des Verrats im Zusammenhang mit mutma\u00dflichen Katar-Zahlungen an sein Umfeld und wachsende Kritik innerhalb der israelischen Eliten lie\u00dfen seinen politischen Spielraum schrumpfen. Ein Krieg gegen den Iran erscheine in diesem Kontext als \u00bbFlucht nach vorn\u00ab \u2013 popul\u00e4r in der israelischen \u00d6ffentlichkeit, anschlussf\u00e4hig in den USA und geeignet, politische Blockaden zu \u00fcberdecken.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Nach Crookes Darstellung hat Netanjahu in Gespr\u00e4chen mit Donald Trump die Begr\u00fcndung f\u00fcr einen Angriff strategisch neu justiert. Nicht mehr die angeblich unmittelbar bevorstehende iranische Atombombe stehe im Zentrum, sondern die Gefahr, der Iran k\u00f6nne durch den Aufbau eines neuen, integrierten Raketen- und Luftabwehrsystems k\u00fcnftig unangreifbar werden. Daraus leite sich ein vermeintlich \u00bbenges Zeitfenster\u00ab f\u00fcr milit\u00e4risches Handeln ab. Trump habe dieser Logik zugestimmt und faktisch \u00bbgr\u00fcnes Licht\u00ab gegeben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Doch Crooke sieht hinter dieser milit\u00e4rischen Argumentation tiefere ideologische Triebkr\u00e4fte. Teile der israelischen Rechten, insbesondere das nationalreligi\u00f6se Lager, d\u00e4chten nicht in Kategorien n\u00fcchterner Kosten-Nutzen-Abw\u00e4gungen. Der Krieg werde vielmehr als Teil eines messianischen Geschichtsverst\u00e4ndnisses begriffen. F\u00fchrende Akteure erwarteten \u2013 oder akzeptierten \u2013 eine gro\u00dfe, reinigende Krise. Crooke spricht offen von einer eschatologischen Erwartungshaltung: Man blicke nicht mit Angst auf ein m\u00f6gliches Armageddon, sondern mit Hoffnung, weil ein apokalyptischer Konflikt als notwendige Voraussetzung f\u00fcr das Kommen eines messianischen Zeitalters gelte. Der Krieg werde damit nicht trotz, sondern wegen seiner potenziell zerst\u00f6rerischen Folgen in Kauf genommen. Am Ende steige ein \u00bbEretz Israel\u00ab (Gro\u00dfisrael) wie Phoenix aus der Asche siegreich empor.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Zugleich warnt Crooke davor, diese Dynamik als rein israelisches Ph\u00e4nomen zu missverstehen. Auch im Westen selbst beobachte er eine Abkehr von rationalem Denken. Politische Konflikte w\u00fcrden zunehmend in moralisch-absoluten Kategorien verhandelt \u2013 als Kampf von Gut gegen B\u00f6se, von Licht gegen Dunkel. Diese manich\u00e4ische Weltsicht, so Crooke, habe sich in den letzten Jahren tief in die politische Sprache der USA und Europas eingeschrieben. Sie erleichtere es, komplexe geopolitische Konflikte zu simplifizieren und milit\u00e4rische Eskalation moralisch aufzuladen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der m\u00f6gliche Krieg gegen den Iran erscheint in Crookes Analyse daher als Symptom einer umfassenderen Krise: einer westlichen Ordnung, die an inneren Widerspr\u00fcchen, \u00f6konomischem Druck und ideologischer Erstarrung leidet. In dieser Gemengelage w\u00fcrden rationale Einw\u00e4nde marginalisiert, w\u00e4hrend religi\u00f6se, moralische und identit\u00e4re Narrative an Gewicht gew\u00e4nnen. Ob Israel, die USA oder der Westen insgesamt aus einem solchen Konflikt gest\u00e4rkt hervorgingen, stellt Crooke ausdr\u00fccklich infrage. Sicher sei nur, dass \u00bballe Vorzeichen auf Eskalation stehen\u00ab \u2013 und dass die Konsequenzen weit \u00fcber den Nahen Osten hinausreichen d\u00fcrften.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\"><small>\u00a9 \u00c6ON-Z e.V. Thinktank. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterst\u00fctzend K\u00fcnstliche Intelligenz eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung f\u00fcr den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.<\/small><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Gespr\u00e4ch mit dem norwegischen Politologen Glenn Diesen entwirft der ehemalige britische Diplomat Alastair Crooke eine finstere und zugleich provokante Deutung f\u00fcr die gegenw\u00e4rtige Eskalationsdynamik im Nahen Osten. 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