{"id":2477,"date":"2026-01-04T16:13:17","date_gmt":"2026-01-04T15:13:17","guid":{"rendered":"https:\/\/aeon-z.org\/?p=2477"},"modified":"2026-01-04T16:26:37","modified_gmt":"2026-01-04T15:26:37","slug":"us-intervention-in-venezuela-vorspiel-eines-groesseren-geopolitischen-konflikts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aeon-z.org\/?p=2477","title":{"rendered":"US-Intervention in Venezuela: Vorspiel eines gr\u00f6\u00dferen geopolitischen Konflikts?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Im <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QtaeGCORr6I\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview<\/a>, das der norwegische Professor Glenn Diesen mit dem ehemaligen CIA-Analysten Larry Johnson f\u00fchrte, zeichnet sich das Bild einer Eskalationsstrategie ab, deren Zentrum nicht Caracas, sondern Teheran ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die milit\u00e4rische Intervention der Vereinigten Staaten in Venezuela und die Gefangennahme des amtierenden Pr\u00e4sidenten Nicol\u00e1s Maduro markieren nach Einsch\u00e4tzung des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Larry Johnson keinen isolierten Vorgang, sondern einen Baustein in einer umfassenderen geopolitischen Planung. Johnson ordnet das Geschehen in einen globalen Kontext ein, der von der Energieversorgung \u00fcber Lateinamerika bis hin zur Rivalit\u00e4t der Gro\u00dfm\u00e4chte reicht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00c4hnlich <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=roldJV-2-Nw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sieht<\/a> es der ehemalige US-amerikanische Offizier und Waffeninspekteur Scott Ritter, der die \u00bbMacht\u00fcbernahme\u00ab in Venezuela als eine pr\u00e4zise inszenierte Geheimdienstoperation unter Donald Trump analysiert, die weit von einer rechtstaatlichen Festnahme entfernt sei. Laut Ritter basierte der Erfolg nicht auf milit\u00e4rischer St\u00e4rke, sondern auf der massiven Bestechung der venezolanischen Funktionselite sowie der Sicherheitskr\u00e4fte durch die CIA. Durch die gezielte Ausnutzung von Sanktionen und die Korrumpierung des Milit\u00e4rs sei ein \u00bbpermissives Umfeld\u00ab geschaffen worden, das den Delta-Force-Einsatz als medienwirksames Spektakel erst erm\u00f6glichte. Ritter behauptet, die US-Regierung habe die politische F\u00fchrung Venezuelas schlichtweg \u00bbgekauft\u00ab, w\u00e4hrend sie der \u00d6ffentlichkeit ein Narrativ von nationaler Sicherheit und Drogenbek\u00e4mpfung unterjubelte. Diese Begr\u00fcndungen, insbesondere der Vorwand des Fentanyl-Schmuggels, bezeichnet er als nachweisbare L\u00fcgen, da Venezuela kaum eine Rolle im US-Drogenmarkt spiele. F\u00fcr den Experten markiert dieser Vorfall den \u00dcbergang der USA zu einem \u00bbSchurkenstaat\u00ab, der internationales Recht ignoriert und einseitig diktatorische Befugnisse anwendet. Letztlich diene die gesamte Aktion prim\u00e4r dazu, Trumps politischer MAGA-Basis einen \u00bbgro\u00dfen Sieg\u00ab zu pr\u00e4sentieren und gleichzeitig ein aggressives Signal an M\u00e4chte wie den Iran, Russland und China zu senden.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Regimewechsel als vertrautes Muster<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Johnson beschreibt das Vorgehen in Venezuela als m\u00f6glichen Regimewechsel, der auf einer vertrauten, aber historisch widerlegten Annahme beruhe: politische Stabilit\u00e4t lasse sich durch die Entfernung einer einzelnen F\u00fchrungsperson herstellen. Diese Vorstellung sei, so Johnson w\u00f6rtlich, \u00bbabsurd\u00ab und durch die Geschichte mehrfach widerlegt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Er verweist auf den Iran (<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/1953-irans-gestohlene-demokratie\/a-17008768\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geheimoperation Ajax<\/a> durch CIA und MI6), Vietnam, Irak, Libyen und Syrien \u2013 L\u00e4nder, in denen vergleichbare Interventionen langfristig nicht zu Stabilit\u00e4t, sondern zu Aufst\u00e4nden, Fragmentierung und Gewalt bis hin zu gescheiterten Staaten gef\u00fchrt h\u00e4tten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Auch im Fall Venezuelas sei nicht von einem raschen Machtvakuum mit kontrollierbarer \u00dcbergangsphase auszugehen. Trotz wirtschaftlicher Probleme verf\u00fcge das Land \u00fcber bewaffnete Strukturen, politische Loyalit\u00e4ten und regionale Netzwerke, die einem einfachen Machttransfer entgegenst\u00fcnden. Johnson warnt vor der Illusion, man k\u00f6nne \u00bb<em>nur einen Mann ersetzen und schon seien alle Probleme gel\u00f6st<\/em>\u00ab.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Venezuela und der Blick auf den Iran<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Im Zentrum der Analyse steht ein m\u00f6gliches weiteres Szenario: ein milit\u00e4rischer Angriff auf den Iran. Johnson sieht die Ereignisse in Venezuela als vorbereitenden Schritt f\u00fcr diesen Fall. Die strategische Annahme laute, dass es im Zuge eines Iran-Krieges zu einer zeitweisen oder l\u00e4ngeren Schlie\u00dfung der Stra\u00dfe von Hormus kommen k\u00f6nnte \u2013 einem der wichtigsten Nadel\u00f6hre des globalen \u00d6lhandels. \u00bb<em>Die Beschlagnahmung des venezolanischen \u00d6ls ist eine Vorbereitung auf einen Angriff auf den Iran<\/em>\u00ab, vermutet Johnson, Venezuela fungiere dabei als \u00bbVersicherung\u00ab, falls Lieferungen aus dem Persischen Golf ausfielen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Damit r\u00fcckt Venezuela weniger als politisches Ziel, denn als energiepolitische R\u00fcckfalloption in den Fokus. Diese Logik verschiebe den Konflikt von einer regionalen Auseinandersetzung hin zu einem globalen Ressourcenszenario mit weitreichenden Folgen f\u00fcr M\u00e4rkte und Allianzen.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Guerillakrieg und por\u00f6se Grenzen<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcr Mittel- und S\u00fcdamerika entwirft Johnson ein betr\u00fcbliches Bild. Venezuela habe, \u00e4hnlich wie Kolumbien, ausgedehnte und schwer kontrollierbare Grenzen. Solche Strukturen beg\u00fcnstigten Guerillakrieg, Schmuggel und grenz\u00fcberschreitende R\u00fcckzugsr\u00e4ume. Johnson zieht einen direkten Vergleich zur jahrzehntelangen Existenz der kolumbianischen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Revolutionary_Armed_Forces_of_Colombia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FARC<\/a> und warnt, auch Venezuela k\u00f6nne in einen langanhaltenden inneren Aufstand geraten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Statt eines klassischen B\u00fcrgerkriegs sei ein Szenario wachsender Instabilit\u00e4t wahrscheinlich: zunehmende Kriminalit\u00e4t, Attentate auf ausl\u00e4ndische Akteure und ein schrittweiser Zwang zur milit\u00e4rischen Nachverst\u00e4rkung durch die USA. Dieser Verlauf erinnere an Vietnam, wo anfangs \u00bb<em>nur ein paar Milit\u00e4rberater mehr<\/em>\u00ab zur Stabilisierung entsandt worden seien \u2013 mit bekannten Folgen.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Regionale Reaktionen und Fl\u00fcchtlingsbewegungen<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Johnson betont zudem die latente antiimperialistische Stimmung in weiten Teilen Lateinamerikas. Eine direkte oder indirekte US-Verwaltung Venezuelas w\u00fcrde nicht nur Widerstand hervorrufen, sondern auch Erwartungen an Ordnung, Versorgung und Sicherheit erzeugen. Scheiterten diese, drohten Angriffe auf US-Personal sowie Entf\u00fchrungen und Sabotageakte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Hinzu komme die Gefahr neuer Fl\u00fcchtlingsbewegungen. Instabilit\u00e4t in Venezuela k\u00f6nnte Millionen Menschen in Richtung Norden treiben \u2013 \u00fcber Kolumbien, Panama und Mexiko bis an die US-Grenze. Johnson sieht darin eine Ironie, da gerade die Begrenzung von Migration zu den zentralen innenpolitischen Versprechen der aktuellen US-Politik geh\u00f6re.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Monroe-Doktrin, China und Russland<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Im Interview wird das Vorgehen der USA auch als Neuinterpretation der Monroe-Doktrin beschrieben. W\u00e4hrend diese historisch mit einer Selbstbeschr\u00e4nkung der USA \u2013 au\u00dferhalb ihres s\u00fcdamerikanischen \u00bbHinterhofs\u00ab \u2013 einherging, werde sie nun als Anspruch auf exklusive globale Hegemonie verstanden. Andere Gro\u00dfm\u00e4chte \u2013 insbesondere China und Russland \u2013 sollten aus der westlichen Hemisph\u00e4re verdr\u00e4ngt werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">China treffe dies unmittelbar, da es ein zentraler Abnehmer venezolanischen \u00d6ls sei. Johnson h\u00e4lt wirtschaftliche Gegenma\u00dfnahmen f\u00fcr wahrscheinlich, etwa Einschr\u00e4nkungen bei seltenen Erden oder eine Reduzierung chinesischer Investitionen in US-Staatsanleihen. Russland und China s\u00e4hen in den Ereignissen zudem eine Best\u00e4tigung daf\u00fcr, dass der Westen internationales Recht selektiv anwende und kein verl\u00e4sslicher Partner sei.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Dazu zieht Johnson auch Parallelen zur Ukraine. Dort habe sich gezeigt, wie gest\u00fcrzte oder geschw\u00e4chte Staaten in externe Konflikte gelenkt werden k\u00f6nnten, um neue Loyalit\u00e4ten zu erzwingen. F\u00fcr Venezuela fehle jedoch ein geeigneter \u00e4u\u00dferer Gegner. \u00bbDer Hauptgegner werden dann die Vereinigten Staaten bleiben\u00ab, so Johnson, was den Widerstand zus\u00e4tzlich versch\u00e4rfe.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Ein riskantes Gesamtbild<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">In der Gesamtschau entsteht das Bild einer hochriskanten Strategie. Kurzfristige milit\u00e4rische Erfolge k\u00f6nnten sich rasch in langfristige politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Belastungen verwandeln. Was \u00f6ffentlich als entschlossener Akt der St\u00e4rke pr\u00e4sentiert werde, berge das Potenzial f\u00fcr regionale Destabilisierung, neue Fl\u00fcchtlingskrisen und eine weitere Zuspitzung der Rivalit\u00e4t zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten. Oder, wie Johnson es zusammenfasst: Ein vermeintlicher Moment von \u00bbMission erf\u00fcllt\u00ab \u2013 in Erinnerung an George W. Bushs voreiliges \u00bbMission accomplished\u00ab zum Irak 2003 \u2013 k\u00f6nne sich schon bald als Beginn eines neuen globalen Desasters erweisen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\"><small>\u00a9 \u00c6ON-Z e.V. Thinktank. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterst\u00fctzend K\u00fcnstliche Intelligenz eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung f\u00fcr den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.<\/small><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Interview, das der norwegische Professor Glenn Diesen mit dem ehemaligen CIA-Analysten Larry Johnson f\u00fchrte, zeichnet sich das Bild einer Eskalationsstrategie ab, deren Zentrum nicht Caracas, sondern Teheran ist. 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