{"id":2201,"date":"2025-12-10T15:25:24","date_gmt":"2025-12-10T14:25:24","guid":{"rendered":"https:\/\/aeon-z.org\/?p=2201"},"modified":"2025-12-14T20:48:35","modified_gmt":"2025-12-14T19:48:35","slug":"gen-z-und-ki-die-duesteren-prognosen-des-r-d-precht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aeon-z.org\/?p=2201","title":{"rendered":"Gen Z und KI: Die d\u00fcsteren Prognosen des R. D. Precht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">In einem aktuellen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nzmCmWEjE58\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Podcast<\/a> sinniert der Philosoph und Publizist Richard David Precht \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zwischen KI und Generation Z sowie \u00fcber die m\u00f6glichen Auswirkungen der KI auf die Zukunft und Zukunftschancen der Gen Z. Seine \u00dcberlegungen beginnen mit der These, die Generation Z erlebe einen historischen Bruch: Zum ersten Mal in der Geschichte wachse eine Generation in dem Bewusstsein auf, dass die Welt, auf die sie \u00fcber Jahre vorbereitet wurde, nicht mehr existieren wird. Ihre h\u00e4ufig diagnostizierten Depressionen und \u00c4ngste deuteten aus Prechts Sicht nicht auf individuelle Schw\u00e4che, sondern auf eine realistische Wahrnehmung einer Zukunft hin, die in rasanter Geschwindigkeit an Algorithmen delegiert werde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Precht ist sich sicher, dass die klassischen Erz\u00e4hlungen westlicher Gesellschaften \u2013 Bildung f\u00fchre zu Arbeit, Arbeit zu Sicherheit, Sicherheit zu einem erf\u00fcllten Leben \u2013 irreversibel zerbrochen seien. Junge Menschen h\u00e4tten zwar alles \u00bbrichtig\u00ab gemacht, m\u00fcssten nun aber zusehen, wie zentrale T\u00e4tigkeiten ihres beruflichen und intellektuellen Selbstverst\u00e4ndnisses von Maschinen \u00fcbernommen werden. Precht betont, dass nicht nur Routinen, sondern zunehmend Denken, Kreativit\u00e4t und Probleml\u00f6sung automatisiert w\u00fcrden \u2013 genau jene F\u00e4higkeiten also, auf denen die menschliche Identit\u00e4t seit der Aufkl\u00e4rung gr\u00fcnde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Er warnt davor, die Generation Z vorschnell als labil oder unkonzentriert abzuwerten. Vielmehr sehe sie klarer als \u00e4ltere Generationen, wie tiefgreifend die digitale Durchdringung der Gesellschaft bereits sei: Algorithmen bestimmten Informationsfl\u00fcsse, strukturierten Aufmerksamkeit, filterten Entscheidungen \u2013 und w\u00fcrden gleichzeitig zu direkten Konkurrenten um berufliche und kreative Entfaltung. Die jungen Menschen w\u00fcssten, dass sie an einem Spiel teilnehmen sollen, dessen Regeln sich mitten im Lernen ge\u00e4ndert haben und das sie kaum gewinnen k\u00f6nnen. Precht: \u00bb<em>Stell dir vor, du bereitest dich dein ganzes Leben auf einen Marathon vor. Du trainierst, du opferst dich, du gibst alles. Und dann kurz bevor das Rennen beginnt, erf\u00e4hrst du, dass es nur noch f\u00fcr Maschinen ist, dass Menschen nicht mehr zugelassen werden, weil sie zu langsam sind. Das ist die Erfahrung der Generation Z.<\/em>\u00ab<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Precht beschreibt die daraus resultierende Verzweiflung nicht als Pathologie, sondern als \u00bbrationale Reaktion\u00ab auf ein gesellschaftliches System, das Menschen im Takt technologischer Effizienzlogik zunehmend entbehrlich macht. Anstelle individueller Therapien brauche es daher eine strukturelle Neubewertung des Verh\u00e4ltnisses zwischen Mensch, Arbeit und Technologie.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Aus philosophischer Perspektive stellt sich laut Precht die Frage, was den Menschen auszeichne, wenn Maschinen nicht nur denken, sondern m\u00f6glicherweise \u00bbvern\u00fcnftiger\u00ab handeln k\u00f6nnten \u2013 frei von Emotionen, Vorurteilen und kognitiven Begrenzungen. Die Generation Z erlebe diese Kr\u00e4nkung unmittelbar, da Entscheidungen \u00fcber Bildung, Kredite, Berufschancen oder soziale Teilhabe l\u00e4ngst algorithmisch vorgepr\u00e4gt seien. Viele f\u00fchlten sich nicht mehr als Subjekte, sondern als Datenpunkte in Systemen, deren Funktionsweise sie nicht nachvollziehen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Precht identifiziert darin eine neue Form der Entfremdung: Nicht nur Arbeit, sondern die eigene Existenzberechtigung erscheint fraglich. Wer in einem \u00f6konomischen System lebt, das Menschen prim\u00e4r nach ihrer Produktivit\u00e4t bewertet, m\u00fcsse zwangsl\u00e4ufig den Eindruck gewinnen, ersetzbar zu sein. Die K\u00fcnstliche Intelligenz mache diese Systemlogik sichtbarer als jede Technologie zuvor und beschleunigt die Konzentration von Wohlstand und Macht bei wenigen Akteuren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Gleichzeitig argumentiert Precht, dass die gesellschaftliche Reaktion darauf bislang ausblieb. Politik, Wirtschaft und \u00d6ffentlichkeit behandelten technologische Entwicklungen wie Naturgesetze, obwohl sie Ergebnis menschlicher Entscheidungen seien. So entstehe eine Zukunft ohne Vision: W\u00e4hrend fr\u00fchere Generationen zumindest Vorstellungen von Aufstieg, Fortschritt oder pers\u00f6nlicher Entfaltung gehabt h\u00e4tten, wachse die Generation Z in eine \u00bbSinnleere\u00ab hinein.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Er fordert daher eine grundlegende Revision der Arbeits- und Wirtschaftsordnung. Arbeit m\u00fcsse neu definiert werden \u2013 nicht mehr als Lohnarbeit, sondern als sinnstiftende T\u00e4tigkeit. Technologie solle nicht l\u00e4nger als Ersatz f\u00fcr Menschen dienen, sondern als Werkzeug zur Erweiterung menschlicher M\u00f6glichkeiten. Als zentrale gesellschaftliche Antwort nennt Precht die Entkopplung von Existenzsicherung und Erwerbst\u00e4tigkeit, etwa durch ein bedingungsloses Grundeinkommen, das Menschen bef\u00e4hige, Autonomie, Kompetenz und Zugeh\u00f6rigkeit jenseits marktlicher Verwertbarkeit zu entwickeln.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Precht betont, dass die Generation Z aufgrund ihrer Betroffenheit und Klarheit zu einer treibenden Kraft gesellschaftlichen Wandels werden k\u00f6nne. Doch dazu brauche sie politische Unterst\u00fctzung, kollektive Narrative und neue Sinnangebote. Die Krise dieser Generation sei letztlich die Krise einer Zivilisation, die noch keine Antwort darauf gefunden habe, welchen Platz der Mensch in einer Welt behalten soll, in der Maschinen nahezu alles effizienter leisten k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\"><small>\u00a9 \u00c6ON-Z e.V. Thinktank. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterst\u00fctzend K\u00fcnstliche Intelligenz eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung f\u00fcr den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.<\/small><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem aktuellen Podcast sinniert der Philosoph und Publizist Richard David Precht \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zwischen KI und Generation Z sowie \u00fcber die m\u00f6glichen Auswirkungen der KI auf die Zukunft und Zukunftschancen der Gen Z. 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