{"id":1881,"date":"2025-11-06T22:04:53","date_gmt":"2025-11-06T21:04:53","guid":{"rendered":"https:\/\/aeon-z.org\/?p=1881"},"modified":"2025-11-06T22:06:00","modified_gmt":"2025-11-06T21:06:00","slug":"aktuelle-studie-einheimische-deutsche-immer-saekularer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aeon-z.org\/?p=1881","title":{"rendered":"Aktuelle Studie: Einheimische Deutsche immer s\u00e4kularer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">84 Prozent der Deutschen vertreten die Auffassung, Politikerinnen und Politiker sollten \u00bbweltanschaulich neutral entscheiden\u00ab, 76 Prozent stimmen der \u00dcberzeugung zu, dass sich ethisch-moralische Entscheidungen \u00bbauf Vernunft und Mitgef\u00fchl\u00ab st\u00fctzen sollten, \u00bbnicht auf g\u00f6ttliche Gebote\u00ab. Dies geht aus einer repr\u00e4sentativen Umfrage hervor, die im Auftrag der \u00bbForschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland\u00ab (<a href=\"https:\/\/fowid.de\/meldung\/elf-fragen-staat-gesellschaft-weltanschauung-2025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">fowid<\/a>) die Einstellungen der Bev\u00f6lkerung zum Themenkomplex \u00bbStaat \u2013 Gesellschaft \u2013 Weltanschauung\u00ab untersucht hat.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Meinungsforschungsinstitut \u00bbMentefactum\u00ab hat im Auftrag von fowid in der ersten Oktoberh\u00e4lfte eine repr\u00e4sentative Bev\u00f6lkerungsumfrage durchgef\u00fchrt, die nun auf der Website der Forschungsgruppe ausgewertet wurde. \u00bbDie Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen\u00ab, so die fowid-Autoren, \u00bb<em>wie weit der Prozess der S\u00e4kularisierung in Deutschland vorangeschritten ist<\/em>.\u00ab Dies zeige sich sowohl mit Blick auf die weltanschaulichen Haltungen der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger als auch hinsichtlich ihrer Einstellungen zur Neutralit\u00e4t des Staates und seinem Verh\u00e4ltnis zu den Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">So stimmten 76 Prozent \u00bbvoll und ganz\u00ab (47 %) oder \u00bbeher\u00ab (29 %) der \u00dcberzeugung zu, dass sich ethisch-moralische Entscheidungen \u00bbauf Vernunft und Mitgef\u00fchl\u00ab st\u00fctzen sollten, \u00bbnicht auf g\u00f6ttliche Gebote\u00ab. Nur zw\u00f6lf Prozent waren mit dieser Aussage \u00bbeher nicht\u00ab und f\u00fcnf Prozent \u00bb\u00fcberhaupt nicht\u00ab einverstanden, w\u00e4hrend sieben Prozent dazu keine Angaben machten. \u00bbDass 76 Prozent der Befragten einer Auffassung zuneigen, die eher im s\u00e4kularen Humanismus als bei den traditionellen Religionsgemeinschaften verortet werden kann\u00ab, sei ein \u00bbbemerkenswerter Befund\u00ab, kommentiert die Forschungsgruppe. Erwartungsgem\u00e4\u00df finde man f\u00fcr diese Haltung die gr\u00f6\u00dfte Zustimmung bei den Konfessionsfreien (85,7 %), die Zustimmungsraten l\u00e4gen aber auch bei den nominellen Katholiken (66,2 %) und insbesondere bei den Protestanten (72,3 %) erstaunlich hoch. Der allgemeine S\u00e4kularisierungstrend sei \u00bboffenkundig auch innerhalb der Kirchen angekommen\u00ab.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein \u00e4hnliches Bild zeigt sich bei der Zustimmung bzw. Ablehnung einer \u00bbnaturalistischen Weltauffassung\u00ab: Mit der Aussage \u00bbIch meine, dass die Welt nach naturwissenschaftlichen Gesetzen funktioniert. \u00dcbernat\u00fcrliche Kr\u00e4fte wie etwa G\u00f6tter oder Teufel haben auf unsere Welt keinen Einfluss\u00ab waren 39 Prozent der Befragten \u00bbvoll und ganz\u00ab und 25 Prozent \u00bbeher\u00ab einverstanden. Nur 16 Prozent sprachen sich \u00bbeher\u00ab und zehn Prozent \u00bbvoll und ganz\u00ab f\u00fcr eine Ablehnung des Naturalismus aus. Auch dieser Befund sei bemerkenswert, hei\u00dft es aus der Forschungsgruppe: \u00bbDass nur 26 Prozent \u00fcbernat\u00fcrlichen Kr\u00e4ften eine Wirkung in der Welt zuschreiben, w\u00e4hrend 64 Prozent dem naturalistischen Weltbild zustimmen, deutet an, dass im Schatten der S\u00e4kularisierung auch die Grundprinzipien des wissenschaftlichen Denkens an Bedeutung hinzugewonnen haben.\u00ab Erwartungsgem\u00e4\u00df sei auch hier die Zustimmungsrate in der Gruppe der Konfessionsfreien mit 77 Prozent am h\u00f6chsten, gefolgt von den Protestanten mit 59 Prozent und den Katholiken mit 52 Prozent. Allerdings: Einem naturalistischen Weltbild stimmten zwar 73 Prozent der Gruppe 60+ zu, w\u00e4hrend es bei den 16-29-J\u00e4hrigen nur 59 Prozent sind. Das ist mit Blick auf die Zukunft bedenklich.<\/span><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1882\" src=\"https:\/\/aeon-z.org\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Giordano-bruno-11-2025.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"1080\" srcset=\"https:\/\/aeon-z.org\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Giordano-bruno-11-2025.jpg 1920w, https:\/\/aeon-z.org\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Giordano-bruno-11-2025-300x169.jpg 300w, https:\/\/aeon-z.org\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Giordano-bruno-11-2025-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/aeon-z.org\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Giordano-bruno-11-2025-768x432.jpg 768w, https:\/\/aeon-z.org\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Giordano-bruno-11-2025-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/aeon-z.org\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Giordano-bruno-11-2025-1232x693.jpg 1232w\" sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><em><span style=\"font-size: 8pt;\"><small>fowid-Leiter Carsten Frerk beim Er\u00f6ffnungsvortrag der Tagung \u00bbAuf dem Weg in die s\u00e4kulare Gesellschaft\u00ab (Foto: Ricarda Hinz).<\/small><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Gro\u00dfe Mehrheit der Deutschen f\u00fcr den weltanschaulich neutralen Staat<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger spricht sich f\u00fcr einen \u00bbweltanschaulich neutralen Staat\u00ab aus, in dem keine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft privilegiert oder diskriminiert wird. So vertreten 84 Prozent der Befragten die Auffassung, Politikerinnen und Politiker sollten \u00bbihre Entscheidungen nicht auf ihre pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen st\u00fctzen\u00ab, sondern sich \u00bbweltanschaulich neutral entscheiden\u00ab. 82 Prozent votieren daf\u00fcr, dass \u00bbstaatliche Einrichtungen wie Gerichte, Schulen oder Polizei grunds\u00e4tzlich weltanschaulich und religi\u00f6s neutral\u00ab sein sollten. 75 Prozent meinen, dass Religionsgemeinschaften bei der Besetzung von Rundfunkr\u00e4ten \u00bbkeine bevorzugte Stellung erhalten\u00ab sollten. 65 Prozent sprechen sich gegen das islamische Kopftuch von Lehrerinnen in \u00f6ffentlichen Schulen aus und 61 Prozent lehnen es ab, dass die katholische Kirche weiterhin medizinisch indizierte Schwangerschaftsabbr\u00fcche in ihren Kliniken verbieten darf.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Auff\u00e4llig an den Ergebnissen der Studie sind neben der hohen Zustimmung zur weltanschaulichen Neutralit\u00e4t des Staates zwei weitere Aspekte:<\/span><\/p>\n<ol>\n<li style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Zustimmung zu strikt weltanschaulich-neutralen Positionen nimmt ab, wenn die pers\u00f6nliche Religions- und Weltanschauungsfreiheit von Amtstr\u00e4gern betroffen ist. So sprechen sich nur 44 Prozent der Befragten daf\u00fcr aus, dass Kanzler oder Minister keine religi\u00f6se Amtseidformel verwenden sollten (33 % haben damit keinerlei Probleme, 23 % wollen dazu keine Aussage treffen).<\/span><\/li>\n<li style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Zeichen christlicher und islamischer Religiosit\u00e4t werden im Durchschnitt unterschiedlich bewertet. So richten sich zwar 50 Prozent gegen das Aufh\u00e4ngen von religi\u00f6sen Symbolen wie Kreuzen in Schulen und Gerichtss\u00e4len, im Falle des islamischen Kopftuches ist die Ablehnungsquote (65 %) jedoch deutlich h\u00f6her.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Interessante Ergebnisse vermittelt auch die fowid-Analyse zum Konsens bzw. zur Polarisierung innerhalb der getesteten Gruppen: Dabei zeigt sich zum Beispiel, dass die Konfessionsfreien trotz ihres fehlenden Organisationsgrades in ihren weltanschaulichen Einstellungen und weltanschauungspolitischen Haltungen deutlich homogener sind als die katholischen und protestantischen Kirchenmitglieder, die in vielen Fragen gro\u00dfe Differenzen aufweisen. Mit Blick auf die jeweiligen Parteipr\u00e4ferenzen stellt fowid u.a. fest, dass die Anh\u00e4nger der AfD zwar in der Ablehnung des islamischen Kopftuchs \u00e4u\u00dferst geschlossen auftreten, jedoch bei der Frage, ob der Amtseid ohne Gottesbezug stattfinden soll, ungew\u00f6hnlich stark polarisiert sind. Die Forschungsgruppe kommentiert diesen Befund folgenderma\u00dfen: \u00bbDie \u203achristlich-abendl\u00e4ndische\u2039 Rhetorik der Partei findet in der Anh\u00e4ngerschaft keine konsequente Entsprechung \u2013 der Fokus liegt erkennbar auf der Ablehnung des Islam.\u00ab<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Zur Methodik<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Umfrage wurde Anfang Oktober 2025 mit 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgef\u00fchrt, die repr\u00e4sentativ f\u00fcr die Wohnbev\u00f6lkerung ab 16 Jahren sein sollen. Allerdings umfasste die Gruppe der Muslime im Sample nur 30 Personen, was drei Prozent der Gesamtpopulation von 1.000 Befragten \u2013 und damit nicht dem tats\u00e4chlichen muslimischen Bev\u00f6lkerungsanteil (6-10 %) \u2013 entspricht. Unter diesem Aspekt ist die Umfrage zu klein und daher wenig aussagekr\u00e4ftig. Es muss davon ausgegangen werden, dass der S\u00e4kularisierungstrend auf diese Bev\u00f6lkerungsgruppe kaum zutreffen d\u00fcrfte und von einer Zweispaltung der Gesellschaft gesprochen werden muss.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\"><small>\u00a9 Bildrechte: <a href=\"https:\/\/www.giordano-bruno-stiftung.de\/meldung\/mehrheit-nicht-mehr-religioes\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Giordano Bruno Stiftung<\/a>, Fotograf: Giordano Bruno Stiftung.<br \/>\n\u00a9 \u00c6ON-Z e.V. Thinktank. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.<\/small><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>84 Prozent der Deutschen vertreten die Auffassung, Politikerinnen und Politiker sollten \u00bbweltanschaulich neutral entscheiden\u00ab, 76 Prozent stimmen der \u00dcberzeugung zu, dass sich ethisch-moralische Entscheidungen \u00bbauf Vernunft und Mitgef\u00fchl\u00ab st\u00fctzen sollten, \u00bbnicht auf g\u00f6ttliche Gebote\u00ab. 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