{"id":1206,"date":"2025-09-18T11:20:35","date_gmt":"2025-09-18T09:20:35","guid":{"rendered":"https:\/\/aeon-z.org\/?p=1206"},"modified":"2025-09-18T11:20:35","modified_gmt":"2025-09-18T09:20:35","slug":"vielfaltsbarometer-2025-gesellschaftliche-bruchlinien-werden-sichtbarer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aeon-z.org\/?p=1206","title":{"rendered":"Vielfaltsbarometer 2025: Gesellschaftliche Bruchlinien werden sichtbarer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Zustimmung zur gesellschaftlichen Vielfalt in Deutschland nimmt sp\u00fcrbar ab. Das zeigt die aktuelle Ausgabe des <a href=\"https:\/\/www.bosch-stiftung.de\/de\/presse\/2025\/09\/vielfaltsbarometer-2025-die-akzeptanz-von-gesellschaftlicher-vielfalt-deutschland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vielfaltsbarometers 2025<\/a> der Robert Bosch Stiftung. Das Vielfaltsbarometer ist eine repr\u00e4sentative Befragung zum gesellschaftlichen Zusammenleben in Deutschland, die zuletzt 2019 durchgef\u00fchrt wurde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">W\u00e4hrend 2019 noch 63 Prozent der Befragten zunehmende Vielfalt eher oder sehr stark als Bereicherung erachteten, waren es 2025 noch 45 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil derjenigen, die Vielfalt als Bedrohung wahrnehmen, um 17 Prozent. Der Vielfaltsgesamtindex f\u00e4llt von 68 Punkten im Jahr 2019 auf aktuell 63 Punkte (Skala 0-100). Zwar liegt dieser Wert weiterhin \u00fcber dem Mittelwert, der R\u00fcckgang ist jedoch ein deutliches Signal f\u00fcr wachsende gesellschaftliche Spannungen.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen und globale Krisen hinterlassen Spuren<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Zusammenspiel unterschiedlicher globaler Krisen \u2013 von Pandemie \u00fcber Energie- und Sicherheitsfragen bis hin zu \u00f6konomischen Unsicherheiten \u2013 belaste, so die Autoren der Studie, die Offenheit der Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber Vielfalt. \u00bb<em>Viele Menschen f\u00fchlen sich aktuell verunsichert oder \u00fcberfordert. Verlust\u00e4ngste f\u00fchren dazu, dass Abgrenzung als vermeintlicher Schutz empfunden wird<\/em>\u00ab, erkl\u00e4rt Ottilie B\u00e4lz, Bereichsleiterin Globale Fragen bei der Robert Bosch Stiftung.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Menschen mit Behinderung erfahren die meiste gesellschaftliche Akzeptanz, niedrige Werte f\u00fcr ethnische Herkunft und Religion<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Vielfaltsbarometer der Robert Bosch Stiftung untersucht die Einstellung der Bev\u00f6lkerung zu sieben Dimensionen gesellschaftlicher Vielfalt: Lebensalter, Behinderung, Geschlecht, sexuelle Orientierung, sozio\u00f6konomische Schw\u00e4che, ethnische Herkunft und Religion. Die aktuellen Ergebnisse zeigen: In vier dieser Bereiche ist die Akzeptanz seit 2019 r\u00fcckl\u00e4ufig, zum Teil sogar deutlich gesunken.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Besonders stabil bleibt die Zustimmung beim Aspekt Behinderung, der weiterhin die h\u00f6chsten Werte erzielt (82 Punkte). Es zeigt sich, dass Menschen mit Behinderung im Vergleich zu anderen Vielfaltsgruppen h\u00e4ufig mehr Empathie erfahren. Auch die Einstellung gegen\u00fcber dem Lebensalter bleibt weitgehend konstant (71 Punkte). Beim Thema Geschlecht ist sogar ein positiver Trend zu verzeichnen \u2013 hier steigt die Akzeptanz um f\u00fcnf Punkte auf 74 Skalenpunkte. Im Gegensatz dazu verliert die Dimension sexuelle Orientierung rund acht Punkte (auf 69 Punkte) und verzeichnet damit einen sp\u00fcrbaren R\u00fcckgang.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Noch kritischer wird die ethnische Herkunft bewertet: Im Bundesschnitt sinkt die Zustimmung um bis zu 17 Punkte \u2013 der st\u00e4rkste R\u00fcckgang aller untersuchten Dimensionen. Auch die Akzeptanz gegen\u00fcber Religion ist stark r\u00fcckl\u00e4ufig. Mit einem Bundesdurchschnitt von lediglich 34 Punkten zeigt sich eine weit verbreitete Ablehnung, die insbesondere Muslime betrifft. Religi\u00f6se Christen und Juden erfahren hingegen deutlich weniger Zur\u00fcckweisung. Im Vergleich zu allen anderen Dimensionen fallen die Akzeptanzwerte so niedrig wie nirgendwo anders aus.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Merkmal sozio\u00f6konomische Schw\u00e4che schneidet ebenfalls schlecht ab und best\u00e4tigt den Trend: Die gesellschaftliche Offenheit gegen\u00fcber benachteiligten Gruppen nimmt ab \u2013 ein besorgniserregendes Signal f\u00fcr den gesellschaftlichen Zusammenhalt.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Das Ost-West-Gef\u00e4lle l\u00f6st sich auf<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">B\u00fcrger in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen zeigen im Bundesvergleich die h\u00f6chsten Akzeptanzwerte, gefolgt von dem Saarland und Hamburg. Das Mittelfeld umfasst Niedersachsen, Bremen, Berlin, Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-W\u00fcrttemberg. Th\u00fcringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern bilden die Schlusslichter.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Auff\u00e4llig ist: Das fr\u00fchere West-Ost-Gef\u00e4lle findet sich so nicht mehr, auch im Westen sinkt die Akzeptanz zunehmend. Insbesondere in den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg haben sich die Werte im Vergleich zu 2019 verschlechtert. \u00bb<em>Die Gr\u00e4ben zwischen Bef\u00fcrwortern und Gegnern von Vielfalt haben sich seit 2019 vertieft. Einige politische und mediale Akteure nutzen Unsicherheiten gezielt, um Spaltung noch zu verst\u00e4rken<\/em>\u00ab, kommentiert Dr. Ferdinand Mirbach, Senior Experte und Vielfaltsbeauftragter der Robert Bosch Stiftung, die Ergebnisse.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcr die Ausgabe 2025 des Vielfaltsbarometers der Robert Bosch Stiftung wurden im Mai 2025 online 4.761 deutschsprachige Personen ab 16 Jahren befragt, darunter 1.074 mit Migrationshintergrund. Hier gibt es die Studie zum <a href=\"https:\/\/www.bosch-stiftung.de\/sites\/default\/files\/publications\/pdf\/2025-09\/Vielfaltsbarometer2025-final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Download<\/a> (PDF).<\/span><\/p>\n<h6 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Kommentar<\/span><\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><span style=\"font-size: 9pt; color: #000000;\">Dass der Islam und die Muslime zunehmende Ablehnung erfahren, ist zu bedauern, aber nicht \u00fcberraschend. Innerhalb der muslimischen Gemeinschaft (Umma) dominieren in der Au\u00dfenwirkung insbesondere die Extremisten, auch wenn sie nur eine Minderheit von wenigen Prozent darstellen. Wenn Extremisten Angst und Gewalt verbreiten, k\u00f6nnen sie eine ganze Gesellschaft in Geiselhaft nehmen \u2013 auch wenn sie zahlenm\u00e4\u00dfig klein sind. Solang die muslimische Mehrheit sich nicht klar von den Extremisten distanziert und sie isoliert, die Freiheit hierzulande konsequent verteidigt und die gesellschaftlichen Werte kompromisslos sch\u00fctzt, bestimmen die Extremisten das gesellschaftliche Klima. Dann wird nicht Entspannung die Folge sein, sondern eine weitere Eskalation mit noch mehr Spaltungen bis hin zum Kippen der offenen Gesellschaft.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 8pt; color: #000000;\"><small>\u00a9 \u00c6ON-Z e.V. Thinktank. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.<\/small><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zustimmung zur gesellschaftlichen Vielfalt in Deutschland nimmt sp\u00fcrbar ab. Das zeigt die aktuelle Ausgabe des Vielfaltsbarometers 2025 der Robert Bosch Stiftung. 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